Das Mitgefühl im "Café des Lebens"

Was so ein Kaffee alles ausmachen kann!

Was wir manchmal einfach so dahinsagen, hat oft eine große Bedeutung für das Miteinander. Nachdem wir zuletzt das Wir im Café des Lebens angeschaut haben, kommen wir hier nämlich zum Thema Mitgefühl – einer wichtigen Qualität, die es uns erst ermöglicht, das Wir zu leben. Stecken wir in einer Situation fest, hilft oft die Frage: Wollen wir zusammen einen Kaffee trinken? Es geht dabei nicht vor allem um den Kaffee, sondern darum, sich auszutauschen, mitfühlend zu sein, den anderen zu verstehen. Ein gemeinsamer Kaffee kann also tatsächlich viel verändern. Mitgefühl bedeutet, sich um andere kümmern und Gutes tun zu wollen, es ist mehr als Mitleid mit jemandem in Not, mehr als eine Handlung, die einem anderen zugute kommt. Es beinhaltet eine emotionale Reaktion auf den anderen und einen authentischen Wunsch, etwas Gutes zu tun oder zu helfen. Entsprechend lehrt der Dalai Lama:

„Wenn du willst, dass andere glücklich sind, übe Mitgefühl. Wenn du willst, dass du selbst glücklich bist, übe Mitgefühl.“ 

Mitgefühl sagt viel darüber aus, wie wir miteinander umgehen möchten. Wir streben in unserer Gesellschaft immer mehr nach Einzigartigkeit, es geht immer individualistischer und leider auch immer wettbewerbsorientierter zu. Selbst wenn wir Ansehen für unser soziales Engagement genießen, wird uns oft vermittelt, dass wir wettbewerbsorientierter sein sollten, sprich eine gewisse Rücksichtslosigkeit leben sollten, um weiterzukommen. 

Schließlich schauen immer mehr Menschen nach sich und ihrer persönlichen Entwicklung, oft auf Kosten anderer. Es scheint in unseren Genen zu liegen, eine Ausprägung des „Überlebens des Stärkeren“, die entwicklungsgeschichtlich begründet ist. Obwohl der älteste Teil des menschlichen Gehirns sich egozentrisch entwickelt hat, haben sich auch andere Regionen weiterentwickelt, die es uns ermöglichen, uns um andere zu kümmern und die Bedürfnisse anderer über unsere eigenen zu stellen. 

„Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg auch keinem andern zu“,

lautet eine goldene Regel. Im letzten Blog haben wir einen weiteren Grundsatz kennengelernt:

„Behandle andere so, wie sie selbst behandelt werden wollen.“

Ich glaube, dass beide Aussagen zusammen dem Mitgefühl und dem Wir viel Kraft verleihen. Der Begriff Mitgefühl deutet bereits an, dass wir dieses Gefühl in uns kennen sollten. Jeder von uns erlebt Schmerzen, Trauer, Freude oder Liebe. Wenn wir uns diesen eigenen Gefühlen stellen und respektvoll damit umgehen, können wir besser nachvollziehen, dass auch andere diese Gefühle spüren. Diese Erkenntnis hilft uns im Umgang miteinander: Jeder hat ein Recht auf Respekt für seine Gefühle und jeder ist mit seinen Gefühlen einzigartig. Dieser Respekt ist eine wichtige Voraussetzung für unser Mitgefühl. 

Die Erkenntnis ist nicht neu.

Als Charles Darwin 1871 über Evolution schrieb, bemerkte er, dass jene Gemeinschaft, die die größte Anzahl an mitfühlenden Mitgliedern enthalte, am besten gedeihen könne und die größte Anzahl an Nachkommen hervorbringe. In den letzten Jahren haben Neurowissenschaftler zudem die Spiegelneuronen im Gehirn entdeckt. Wenn wir beobachten, wie eine andere Person etwas erlebt, werden die Spiegelneuronen auf die gleiche Weise aktiviert, als würden wir das Beobachtete selbst erleben. Zahlreiche Forscher gehen davon aus, dass diese Spiegelneuronen die neuronale Grundlage für unsere Empathiefähigkeit bilden. Dies würde bedeuten, dass Mitgefühl auch durch Training kultiviert werden kann, selbst wenn der Impuls, sich um andere zu kümmern, bereits angeboren ist und Freundlichkeit nicht genetisch festgelegt ist. 

Sind das nicht gute Nachrichten für das Café des Lebens?

Gerade hier kann man wirklich sehen, dass kooperatives Verhalten ansteckend wirkt. Es ist deine Auswirkung , dein „Impact“ auf den es ankommt. Wenn Menschen Freundlichkeit erleben, geben sie diese oft zurück. So entstehen eine Kaskade des Mitgefühls und ein Netzwerk der Liebenswürdigkeit. Und das lohnt sich: Forschungsergebnisse aus der Geschäftswelt belegen, dass Menschen, die ohne Erwartung einer Gegenleistung etwas beitragen, sehr oft hervorragende Ergebnisse erzielen und erfolgreicher sind als diejenigen, die nur bereitwillig von anderen nehmen, um den eigenen Erfolg zu verfolgen. Geben bringt also einen Mehrwert – im Gegensatz zum Nehmen. Winston Churchill brachte es auf den Punkt:

„Wir bestreiten unseren Lebensunterhalt mit dem, was wir bekommen, aber wir leben von dem, was wir geben.“

 

Mein Tipp: Mitgefühl kann man trainieren. Es kann um große Dinge gehen, bei denen du dich mit Zeit oder Geld für einen guten Zweck einbringst. Aber auch im Kleinen und im täglichen Miteinander ist Mitgefühl gut einzubringen, es ist gewissermaßen das Kleingeld in deinem Café des Lebens. Jemandem ein Kompliment zu machen, Menschen aufzumuntern, Freunden etwas Gutes zu tun – da gibt es so viele kleine Punkte, welche auch dir wieder etwas zurückgeben. Geh einfach zusammen mit einem deiner Gäste im Café des Lebens einen Kaffee trinken und fühle mit dem Gegenüber. Probier es aus! Halte am Abend kurz inne und reflektiere deinen Tag: Was hast du heute getan, um Mitgefühl zu leben? Viel Freude bei dieser Übung.