Deinen Frieden im "Café des Lebens" finden

Lass mich in Frieden.

Das könnte meine Reaktion sein, wenn ich den Gerechtler in mir wirken lasse. Er sieht sich in reiner Selbstbezogenheit im Café des Lebens um, all seine Gedanken kreisen dabei nur um mich und das Gefälligkeitenkonto. Reicht es etwa zum Leben nicht aus, dass ich mit mir im Frieden bin? Tatsächlich ist das eine mögliche Sichtweise. 

Doch als Erfinder meiner selbst werde ich hier schnell an meine Grenzen kommen. Wenn sich mein Gespräch mit mir selbst in meinem Café des Lebens immer nur um mich selbst dreht, komme ich sehr bald nicht mehr weiter. Mein Blick ist eingeschränkt, wertvolle Perspektiven bleiben mir verborgen, und es wird mir nicht gelingen, mich zu finden. Wenn ich aber schon die Möglichkeit habe, im Leben etwas zu finden, dann geht es doch darum, alle Chancen zu nutzen, um als Erfinder meines Lebens weiterzukommen. 

Eine Weisheit aus dem Talmud lautet:

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal. 

Wie also komme ich jetzt zum Frieden in meinem Café des Lebens?

Fangen wir doch mit den Gedanken an. Sobald ich mein Gefälligkeitenkonto in der Fülle ansiedle, ist das Leben leichter für mich, da meine Gedanken gut gestimmt sind. Wenn ich Vergleiche mit anderen vermeide und meine Fülle sehe, werde ich in Frieden leben können. Ein interessanter Satz ist mir kürzlich begegnet: Der Vergleich ist der direkte Weg in die Hölle – der Highway in die Leere. Wenn ich mich selbst nicht freue über die Fülle in meinem Leben, wie sollen es dann andere schaffen, sich an mir zu erfreuen? Wie aber gehe ich mit meinem Gerechtler um, wenn er sich meldet, weil er nicht im Frieden ist, aus der Ruhe gekommen ist? Einfach ignorieren? Das geht nur eine Zeit lang gut, dann wird die Stimme in mir laut und schlägt mir auf die Stimmung.

Gefühlsstimmungen müssen also raus, das ist gesund.

Aber warum nicht gleich für gute Stimmung sorgen und gesund denken? Meine Gedanken mit guter Stimmung erfreuen und Verstimmungen entgegenwirken? Lasse ich schlechte Stimmung zu, wird das Schicksal auch entsprechendes liefern. Bin ich aber gut gestimmt, fühlt sich vieles stimmig an. Und wenn dieser Zustand lange genug anhält, wird mir die gute Stimmung schließlich zu einem Charakterzug. Daher sollten wir, egal was kommt, immer an die Sonne denken, ob sie gerade strahlt oder nicht. Denn das Bild alleine hilft schon, unsere Gedanken mit guter Stimmung aufzuladen. Wenn wir jetzt noch JA zum Leben sagen, wird das Bild kraftvoll. 

Natürlich gibt es Situationen, in denen du Kraft brauchst, um so zu denken. Doch gerade diese Situationen sind gute Lerneinheiten fürs Leben. Wenn du deine Mitmenschen und deine Umwelt im Sonnenschein siehst, dann ist es die Fülle deines Lebens, die da strahlt. Stellt sich jemand zwischen dich und die Sonne, dann denke daran, dass die Sonne nicht verschwunden ist, sondern nur auf einen anderen Platz gelenkt wird, um dort zu erstrahlen. Kommt also so ein fieser Moment, dann denke an einen meiner Lieblingssätze:

Lass dir nie die Sonne stehlen.

Behalte deine sonnige Stimmung und lass auch alle anderen Gefühle zu. Es ist gesünder, sie zu leben als sie wegzuschieben. 

Das Leben ist eine Schule, und wir lernen in der Schule des Lebens. Also nutze die Lerneinheiten, lerne und lass dir die Sonne nicht stehlen. Wenn es jemand schafft, dir auf die Nerven zu gehen, wenn eine Miesmuschel von Mensch vor dir steht, dann achte auf deine Gedanken.

Denke daran, dass auch das Gegenüber die Sonne in sich trägt, wenn sie auch im Moment nicht nach außen strahlt. Ich nenne Menschen in solchen Momenten gerne kleiner Sonnenschein. Oft spreche ich es nicht aus und denke mir nur: Ach du kleiner Sonnenschein, der du mir gegenüberstehst. Das fördert den Frieden meiner Gedanken. Manchmal reicht meine sonnige Einstellung schon aus, um auch den anderen in eine bessere Stimmung zu bringen, auch ihn die Sonne wieder sehen und nach außen strahlen zu lassen. Er hat mir in diesem Fall nichts weggenommen und mich nicht geleert. Er hat es nicht geschafft, mir die Sonne zu stehlen – dank meiner sonnigen Einstellung. Auch keine Situation der Welt schafft das, wenn ich meine Gedanken in dieser guten Stimmung lasse. 

Wie sehr hat sich mir die Formulierung von Harald Pill eingeprägt:

Es ist, wie es ist.

Doch ich entscheide, ob ich Sonne sehe oder Gewitterwolken. Wie viel Macht gebe ich der Stimmung in meinem Leben? Dieser Impuls begleitet mich bis heute, und er eröffnet zahlreiche Möglichkeiten im Café des Lebens.

Mein Tipp für heute ist ganz kurz und knackig: Lass dir nie die Sonne stehlen. Und denke immer daran: Es ist, wie es ist. Beides hilft dir, eine friedvolle Stimmung zu bewahren und die Fülle des Lebens zu spüren. Sichere dir deine innere Sonne durch Meditation und Achtsamkeit. Wenn du deine Sonne im Leben findest, bist du ein Erfinder deiner selbst. Das wünsche ich dir. Mehr Ideen dazu in der nächsten Folge.