Der Angsthase im "Café des Lebens"

Vom Umgang mit dem Angsthasen 

Was passiert, wenn wir einem Angsthasen ein Stück Rüblitorte anbieten? Wovor haben wir eigentlich Angst im Café des Lebens? Wenn alleine das Tun den Erfolg ausmacht, dann müsste doch eigentlich alles ganz klar und leicht sein. Ist es aber nicht. Wir sind im Café des Lebens und denken ans Tun in Form einer leckeren Rüblitorte, und schon kommt er angehoppelt, unser Angsthase. Wenn wir ihn jetzt auf einen Kaffee einladen, kann er der Grund sein, warum wir nicht ins Tun kommen. Angsthasen mögen nämlich keine Rüblitorte, warum sollten sie sich also ins Zeug legen, um sie zu kosten?

Warum sollten wir im Café des Lebens etwas tun, wenn uns die Angst davon abhält? 

Zunächst einmal empfinden wir die Angst gar nicht als Eingrenzung, tatsächlich ist sie zuerst sogar ganz bequem. Doch dann wird aus der Angst eine große Enge in vielen Bereichen unseres Lebens. Anstelle von Fülle wird Leere spürbar. Und Druck. Dieser Druck bewegt uns jedoch nur wenig – kein Wunder, wir haben ja auch den Angsthasen zum Kaffee eingeladen. 

Angst ist schon seit Anbeginn ein Bestandteil des menschlichen Lebens, sie hilft uns dabei, Gefahren zu meistern. Allerdings sollte sie nicht dazu führen, dass wir das Leben komplett umsteuern. Was also braucht ein Alltagsheld? Reinhold Messner hat es so beschrieben:

„Das Bild vom furchtlosen Helden täuscht. Er ist ein Fantasieprodukt. Ein Held, der keine Angst hat, braucht keinen Mut. Die Angst ist eine ständige Begleiterin. Ohne Angst lebt kein Grenzgänger lange. Die Angst ist die andere Hälfte von Mut.“

Es scheint also, als hätten auch Helden Angst. 

Es ist wichtig, sich dieser Angst zu stellen, sie kennenzulernen und zu wissen, wie sie aussieht, um mutig weiterzukommen. Es gibt drei verschiedene Formen von Urängsten, die wir im Laufe der Evolution mitbekommen haben. Die erste ist die Angst vor Misserfolg. Die zweite ist die Angst, zu viel Energie zu verbrauchen. Und die dritte ist die Angst, nicht gemocht zu werden, soziale Ablehnung zu erfahren. Schau dir in deinem Café des Lebens an, aus welchem Grund der Angsthase bei dir zum Kaffeetrinken bleibt. 

Bei der Angst vor Misserfolg ist es ganz klar: Unsere Vorfahren konnten es sich nicht erlauben, etwas falsch zu machen, denn allzu oft hat ein Fehler das Leben gekostet. Doch in den sicheren Zeiten, in denen wir leben, ist das selten der Fall. Heute sterben mehr Leute durch die eigene als durch fremde Hand. 

Die Angst, Energie im Übermaß zu beanspruchen, kommt ebenfalls aus der Notwendigkeit, auf Lebensgefahren vorbereitet zu sein. Auch in diesem Bereich hat sich viel verändert, zum Beispiel sind wir Menschen heute eher übergewichtig, als dass wir Hunger leiden würden, zu viel Energie geben wir selten aus. Es lohnt sich, diese Angst zu kennen und zu schauen, wie wir damit umgehen, denn Faulsein verhindert Tun. 

Die dritte Angst im Bunde ist unter Umständen die am meisten verbreitete: Ist der Angsthase erst einmal zum Kaffeetrinken da, dann sind wir ganz auf Kuschelkurs mit ihm eingestellt. Soziales Kuscheln ist heute mehr erwünscht als ehrlich und offen miteinander umzugehen. Sowohl im Privaten als auch im Beruflichen haben klare Worte mehr Konsequenzen als Kuscheln, und die Angst vor diesen Konsequenzen verhindert ganz oft, dass wir ins Tun kommen. Dabei bedeuten klare Worte gar nicht automatisch, dass wir weniger anerkannt sind oder nicht geliebt werden. Im Gegenteil, sie können im sozialen Bereich durchaus hilfreich sein. Jeder kennt das Sprichwort „Ein Gewitter reinigt die Luft“. Doch unser Kopf hält uns zurück: „Sag bloß nichts Falsches, sonst ist es mit dem Kuscheln vorbei“. 

Insgesamt wäre es gar nicht schlimm,

wenn der Angsthase auch mal nach Hause ginge und wir wieder etwas tun könnten. Ich gebe Reinhold Messner Recht, wenn er sagt, dass auch Mut eine wichtige Komponente ist. Der Mut, Rüblitorte zu bestellen, selbst wenn der Angsthase kommt. Wenn er sie nicht mag, bin ich trotzdem mutig genug, selbst davon zu essen. Was der Angsthase tut, ist seine Sache. Er muss ja nicht zum Kaffeetrinken bleiben. 

Die eigenen Urängste zu kennen und im Café des Lebens besser damit umzugehen, ist hilfreich. Einfach mal hinschauen, achtsam mit Angst umgehen. Das Leben als Erfinder wieder finden, das macht aus uns Helden im Alltag.

Mein Tipp heute: Erstelle dir eine Lebenslinie, eine Zeitleiste, und schau dir mal an, wann du mutig warst im Leben. Kennzeichne den Bereich oberhalb der Linie als „plus“. Hier markierst du all das, was gut im Leben gelaufen ist und was deinen Erfolg ausmacht – die Meilensteine sozusagen. Der Bereich unterhalb der Linie wird als „minus“ dargestellt. Überleg dir, wann dein Leben nicht so toll war und zeichne diese Ausschläge hier ein – Zeiten, die du eher als Brocken im Leben empfunden hast. Nimm dann Bezug auf die Ängste: Gab es eine Ur-Angst, die zum jeweiligen Zeitpunkt eine Rolle gespielt hat? Wenn ja, schau sie dir an, um mutiger zu werden. Ein schönes Zitat von Nelson Mandela lautet: „Entweder ich gewinne oder ich lerne.“ Vielleicht kannst du auf diese Weise lernen, wie du besser mit Ur-Ängsten umgehst und ins Tun kommst. Weitere Ideen findest auf meiner Seite.