Der Keks beim Cappuccino im "Café des Lebens"-

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.

In diesem Zitat steckt viel Wahres. Ich freue mich schon auf den Keks beim Heißgetränk im Café des Lebens – und wehe, er fehlt! Mein Teiler-Homie meldet sich dann sofort und hinterfragt: Was ist hier los? Er ist sehr schnell der Meinung, es werde einem nichts geschenkt im Leben, alles müsse hart erarbeitet werden. Warum also sollte ich selbst etwas verschenken? Es ist aber schnell zu spüren, dass es beim Schenken nicht ums Addieren geht, dass es vielmehr wie ein Multiplizieren wirken kann.

Entscheidend ist also auch hier unsere Einstellung.

Denn ist der Gedanke des Teilers nicht bereits in der Leere angesiedelt? Sollten wir uns nicht hier schon umprogrammieren in Richtung Fülle? Geben ist seliger als nehmen – diese biblische Weisheit kennen wir alle, und sie hört sich schon eher nach Fülle an. Ich glaube, dass es wichtig ist, in diesem Lebensbereich im Fluss zu sein. Schenken ohne Erwartungen erhält den Fluss und bringt eine gute Stimmung ins Leben. Schon in der Antike war das kein Geheimnis. So schrieb bereits Ovid in seiner Liebeskunst:

„Glaube du mir: man gewinnt durch Gaben sich Menschen und Götter.“

Selbst wenn der Teiler-Homie nicht gleich etwas zurückbekommt, so hat er also zumindest den Zugewinn des Miteinanders. Er multipliziert, statt zu addieren. Antoine de Saint-Exupéry formulierte den Gedanken so:

„Schenken ist ein Brückenschlag über den Abgrund deiner Einsamkeit.“

Also raus aus der Leere und hinein in die Fülle des Lebens. Eine schöne Möglichkeit, das Leben zu spüren und zu feiern, gute Beziehungen zu pflegen oder aufzubauen. Dabei ist der Wert des Geschenkes eher immateriell zu verstehen: Es muss nichts Teures sein, eher etwas Wertvolles, das unser Gegenüber mit Freude erfüllt und Wertschätzung zum Ausdruck bringt. Manchmal reicht es schon aus, ein Lächeln zu verschenken, Trost zu spenden oder Anerkennung zu geben.

Diese Geschenke kosten nichts und geben so viel. Leider werden sie im Alltag viel zu selten eingesetzt, unser Teiler-Homie ist in dieser Hinsicht häufig eingerostet. Ihn wieder zu erwecken, lohnt sich, denn Freude kommt auf und den Teiler erfüllt dasselbe Wohlgefühl, das ich empfinde, wenn ich den Keks beim Cappuccino entdecke und vernasche. 

Es lohnt sich, sich mit dem Schenken zu beschäftigen.

Denn wir erfüllen unser Leben mit einer schönen Kraft und werden feststellen, dass sie unsere Haltung stärkt. Es wird Überraschungen geben, die uns erfüllen. Wenn wir nur bewusst hinschauen, entdecken wir viele Geschenke im Leben. Harte Arbeit ist gut, doch Geschenke sind es auch, und das größte Geschenke hat jeder schon bekommen, ohne dafür etwas zu geben: das Leben. Wir leben es einfach, feiern es einmal im Jahr – und das war’s. Doch ist das Leben nicht das beste Geschenk überhaupt? Und wäre es nicht toll, es jeden Tag zu feiern und andere daran teilhaben zu lassen? Jeden Morgen eine Minute das Leben zu feiern und sich bewusst zu machen, dass auch dieser neue Tag wieder ein weiteres Geschenk ist? 

Wenn jemand kommt und möchte etwas von mir, dann denke ich daran:

Geben ist seliger als nehmen.

Der Teiler in mir wird es mir danken. Wenn er die Fülle spürt, zu der er beiträgt, wird er gerne schenken, sei es ein Lächeln oder eine Gabe. Er freut sich so wie ich mich auf den Keks beim Cappuccino freue. Was aber, wenn der Keks fehlt? Dann wartet sicher ein größeres Geschenk im Café des Lebens auf mich. Bewahre ich mir diese Offenheit, gibt es keinen Grund, den Teiler-Homie in die Leere zurückzuverweisen. Lasst uns die Brücken bauen mit Geschenken, ähnlich wie es wohl Antoine de Saint-Exupéry gemeint hat in seinem kleinen Prinzen. Sie sind die wahren Wege zu Freude und Freundschaft im Café des Lebens. 

Mein Tipp für heute: Baue im Café des Lebens täglich Momente des Schenkens ein. Warum nicht mal dem Kollegen einen Keks zum Kaffee, dem Partner ein Lob, dem Liebsten eine Rose schenken, einfach so? Feier dein Leben jeden Tag, das größte Geschenk gibt es auch einfach so. Einfach schenken, mindestens einmal am Tag – so bleibt dein Teiler in Übung. Probiere diese Übung mindestens vier Wochen lang aus, und du wirst Überraschendes erleben. Weitere Ideen fürs Leben findest du hier auf meiner Seite.