Der Spiegel im Café

Du begegnest nur was in dir ist.

Mannomann, ab und zu denken wir, wir sind im „falschen Film“: Wir haben alles gemacht, damit es gut läuft im Café des Lebens – doch dann kommt es zu einer Begegnung, die uns herausfordert, und die wir nicht gleich verstehen. Was will sie uns nur sagen?

Generell begegnen wir nur dem, was in uns ist, jede Situation ist also eine Art Spiegel. Allerdings ist da mehr als nur das, was direkt ersichtlich ist. Wenn wir der Theorie der Psychoanalyse folgen, sind wir, wie Eisberge, nur zu 10% sichtbar. Entsprechend sehen wir zunächst nur das, was wir bewusst wahrnehmen.

Da gibt es aber noch das Vorbewusste, geprägt von Ängsten, verdrängten Konflikten oder Persönlichkeitsmerkmalen. Ein weiterer großer Anteil ist das Unbewusste, bestehend aus prägenden Erlebnissen, Instinkt und Entwicklung. Von einem echten Eisberg sieht man entsprechend nur einen kleinen Teil, ähnlich wie sich auch in unserem Café des Lebens nur ein kleiner Teil im Gastraum abspielt. Auch wenn ich als Caféliebhaber mein Café gefunden habe, kann ein Sahnepanscher oder Emotions-Barista in mir etwas anstellen, was in mir wirkt, an die Oberfläche kommt und mir die Freude am vermeintlichen Lieblingscafé verdirbt.

Wenn ich jetzt den Erfinder in mir wecke, kann ich herausfinden, mir bewusst machen, dass all dies Teile von mir sind. Ich kann ihre Bedeutung erkennen und diese Erkenntnis womöglich veröffentlichen – formulieren, aussprechen, mitteilen. 

Was wirkt in der Tiefe – diese Frage ist ein Weg, uns kennenzulernen, an uns und unseren zwischenmenschlichen Beziehungen zu arbeiten. Auch Jens Corssen bedient hier das Bild des Eisbergs:

„Wir sind alles Eisberge, in der Tiefe verbunden.“

Entsprechend bewegen uns nicht die uns bewussten Kräfte, sondern die, die im Unbewussten wirken. Freud bringt es auf den Punkt:

„Wenn wir die Gründe für das Verhalten der anderen verstehen könnten, würde plötzlich alles einen Sinn ergeben.“

Wenn ich also wüsste, welcher Emotions-Barista meine Kaffeespezialität heute aus welchem Grund soundso zubereitet hat, wäre ich ein Stück weiter. Wenn Cafékenner und -kritiker mir mitteilen würden, warum sie soundso unterwegs sind, könnte ich vielleicht einen Sinn erkennen und Verständnis finden. Diese Situationen sind für mich als Caféliebhaber eine Trainingseinheit, sie fördern mich auf dem Weg zum Erfinder meines Cafés des Lebens. Die Übung im Täglichen trainiert mich dabei für den Härtefall.

Der Liebhaber-Status ist wahrscheinlich meine erste Wahl, doch das Leben fordert uns, um uns zu fördern. Begegnet uns schon alles, was wir erreichen möchten? Können wir das komplette Café des Lebens schon sehen? Auch das ist eine Frage der Übung: nicht nur die Gaststube, sondern alle Räume im Café wahrzunehmen, nicht nur die Spitze des Eisberges, sondern auch die darunterliegende Eismasse.

Ganzheitliches Wahrnehmen

gibt uns die Chance, den Sinn der Dinge besser zu verstehen. Wenn wir die Dinge, die uns beschäftigen, und die Kräfte, die uns antreiben, veröffentlichen (für uns selbst oder andere), können wir den Verstand schärfen und das Verständnis vertiefen. Plötzlich bekommt etwas mehr Sinn. Oft verstehen wir dann auch, warum wir mit den anderen „Eisbergen“ eine Verbundenheit oder einen Bruch empfinden. An der Oberfläche nicht sichtbar, doch in der Tiefe findet sich die Ursache. 

Wenn ich in meinem Café des Lebens nicht weiterkomme, lohnt es sich, genauer anzuschauen, was mir begegnet. Anschauen und veröffentlichen, bewusst machen. Warum gefällt mir etwas nicht mehr, warum ist mein Lieblingscafé nicht mehr das, was es einmal für mich war?

Wenn ich als Caféliebhaber einen Grund und einen Sinn sehe, finde ich auch die Möglichkeit, mich wieder auf meine Stimmung einzustimmen. Verstimmung bedeutetet ja nur: Was ich sehe, stimmt nicht mit dem überein, was ich fühle. Ein Abgleich sollte also helfen: Coaching als Findungs Erlebnis. Der Coach im Findungsprozess kann dabei die Situation selbst sein (meint übrigens auch Jens Corssen). Auch ein vertrauter Freund kann mich „coachen“ – oder ich gönne mir professionelle Unterstützung.

Wenn ich erkenne, warum mir im Leben etwas begegnet, habe ich die Möglichkeit, mir bewusst zu machen, welchen Sinn es hat, und was ich damit mache, wie ich damit umgehe. Hilft es mir, meinen Caféliebhaber zu stärken und zu füllen oder nimmt es mir etwas, leert es meine Grundstimmung? Kann ich die Situationen bearbeiten und mehr der schönen Momente im Leben zulassen?

Veröffentlichen fördert das Verständnis.

Du kannst dich einmal mehr als Erfinder beweisen in deinem Café des Lebens. Eine Herausforderung! Besonders dann, wenn du feststellst, dass in deinem Café mehr Kenner oder Kritiker unterwegs sind als dir lieb ist. Was soll das mit dir als Liebhaber zu tun haben, das sind doch die anderen? Wenn es nur so einfach wäre. Der andere ist dein Lehrer, und du kannst selbst herausfinden, was er mit dir zu tun hat. Da dir nur begegnet, was in dir ist, ist der andere dein Spiegel, der es dir ermöglicht, mehr von dir zu sehen.

Deinen eigenen Eisberg ganz kennenzulernen – und auch den der anderen. Das Café des Lebens ganzheitlich zu verstehen, den Liebhaber-Modus zu stärken und dir nicht die Stimmung von unbewussten Momenten verhageln zu lassen. Liebe, was dir begegnet und schätze es als Möglichkeit.

Tipp: Sieh das Leben als Spiegel in deinem Café des Lebens. Nimm dir die Zeit und Ruhe, bewusst in diesen Spiegel hineinzuschauen. Was begegnet dir? Nimm dich dabei nicht nur optisch wahr. Schau tiefer, schau dir an, was es mit dir macht, wenn du in den Spiegel blickst. Sieh nicht nur hin, beobachte auch. Veröffentliche, was du beobachtest, und lerne es kennen. Man kann das sehr gut für sich tun. Morgens der schnelle Blick in den Spiegel, um zu sehen, ob optisch alles sitzt – nutze ihn, um zu beobachten. Beobachten, ob nicht nur alles sitzt, sondern ob es passt. Sag ja zu dir und deinem Leben, stimme dich ein auf den Caféliebhaber in dir. Freue dich auf die Begegnung mit dir und dem Leben: „Willkommen neuer Tag!“ Mehr Ideen dazu findest du hier – Viel Freude damit!