Die Flexibilitätsformel im "Café des Lebens"

Sei doch mal ein bisschen flexibel!

So sagen wir und verlangen von jemandem, dass er sich bewegt, und zwar in aller Regel zu unserem eigenen Standpunkt hin. Ist es nicht spannend, wie wir etwas einfordern, was wir selbst in diesem Moment in unserem Café des Lebens nicht geben wollen? Was ist die Kraft hinter der Flexibilität und Agilität, hinter dem Nachgeben und Loslassen? Eines meiner Lieblingszitate kommt mir hier in den Sinn. Es stammt von Bruce Lee, der sagte:

Be water, my friend.

Ein schönes Bild! Wasser sucht sich seinen Weg – langsam, beständig, voller Kraft und allen voran sehr flexibel. Es fordert auf, zu akzeptieren. Akzeptanz wird gerne damit verwechselt, dass man nichts tut, passiv ist. Es bedeutet aber nichts anderes als das Richtige zu tun und ist somit die wahrscheinlich größte Herausforderung überhaupt. 

Immer wieder kommt es im Café des Lebens zu Fehlbestellungen, die Servicekraft serviert dem Gast eine falsche Kaffeespezialität. Wie oft entwickelt sich daraus ein Problem – wenn hier jedoch Flexibilität ins Spiel kommt, kann viel Gutes entstehen. Fehlt die Flexibilität, so bleiben beide Seiten auf ihrem Standpunkt stehen und es folgen Diskussionen darüber, wer jetzt im Recht und wer im Unrecht ist. Über den Dialog dagegen können beide Seiten einen Weg in die Fülle finden. Oft nimmt der Gast das Getränk dann doch noch an – was der Kellnerin Entlastung bringt. Oder die Kellnerin korrigiert die Bestellung und serviert mit Leichtigkeit das Richtige – was den Gast so freut, dass er sich mit einem spendablen Trinkgeld revanchiert. 

Recht zu behalten,

ist also nicht immer das Richtige im Café des Lebens. Das zu erkennen, ist bereits ein Schritt in die Fülle. Es geht hier um Akzeptanz, welche auf keinen Fall passiv ist. Vielmehr ist sie etwas Aktives, Positives, Bejahendes, eine kreative Bereitschaft, Situationen günstig zu füllen. Bewusstsein zu entwickeln für die Gefühle, die wirklich in uns vorgehen. Das ist die Grundlage für Veränderung. Uns nicht zu ergeben, sondern zu lernen, zu wachsen und im Fluss zu bleiben.

All das können wir vom Wasser lernen, denn es fließt in jedem Augenblick. Auch wenn wir das Gefühl haben, es steht, ist es in jedem Augenblick aktiv und sucht sich seinen Weg. Was ist, das ist. Mit diesem Bewusstsein nehmen wir Situationen erst einmal an. So können wir uns in jedem Moment anschauen, was dieser Moment mit uns macht, welchen Wert er hat, wie wertvoll er für uns werden kann, wenn wir flexibel mit ihm umgehen. Manchmal ist es ja auch nur die Fließrichtung, die verändert werden sollte. 

Ein neuer Blickwinkel hilft uns,

neue Wege zu finden – ähnlich wie im Café des Lebens im Umgang mit den Gästen: Die Diskussion führt oft in eine Sackgasse, der Dialog dagegen eröffnet Möglichkeiten. Anzuerkennen, dass jemand anders auf eine Sache schaut als wir selbst, ist schon der erste Schritt zur Akzeptanz und eröffnet neue Wege.

Oft entscheiden sich die Dinge in unserem Kopf und das Herz wird dabei nicht angehört. Wenn wir aber prüfen, wie sich eine Situation anfühlt und wie es in unserem Herzen aussieht, gibt uns das die Möglichkeit, gute Wege zu entdecken. Statt einen festen Standpunkt zu vertreten, öffnen wir uns so für neue Wege auf vielen Ebenen. Durch diesen Zugang kommen wir in die Flexibilität. Durch das Loslassen haben wir übrigens wieder beide Hände frei, um anzupacken. Anstelle von Nein, so geht es nicht! finden wir zu einem Ja, so kann es funktionieren!

Natürlich ist all das oft leichter gesagt als getan.

Doch in der Situation erst zu akzeptieren und dann zu agieren, gibt uns Raum, diese neuen Wege zu finden. Wie Wasser, welches sich sammelt, um dann mit neuer Kraft einen neuen Fluss anzusteuern. 

Nachgeben kann ganz kraftvoll sein. Als Kampfsportler fand Bruce Lee seine Inspiration in den Kampfkünsten. Auch hier geht es nicht darum, Widerstand zu erzeugen, sondern Kräfte und Energien vorteilhaft zu nutzen. Nicht ums Gewinnen, sondern um die Freude an der Kunst. Darum, im Fluss zu bleiben, flexibel zu sein mit dem eigenen Mindset. Wie bei einem wirklichen Fluss sind schwierige Situationen und Widerstände ein Teil unseres Lebensflusses. Wir können sie umfließen und die natürliche Schönheit des Flussbettes erkennen und auch anerkennen, dass jeder Stein, jeder Widerstand, jede Stromschnelle das Ziel hat, den Ozean zu erreichen, um ihn zu füllen. Demut und Dankbarkeit für den eigenen Fluss im Café des Lebens erfüllen dich, dein Gegenüber und die Welt(-meere). Sensibel flexibel ist die Formel für deine weitere Entwicklung.

Tipp: Wann hast du dich zum letzten Mal gedehnt und Stretching gemacht? Probier’s einfach aus und mach fünf Minuten Stretching am Tag. Dies erhöht die Grundflexibilität nicht nur deines Körpers, sondern meist auch deiner Gedanken. Wenn dir ein Standpunkt im Leben spontan deine Flexibilität nimmt, mach dir dies bewusst, dehne dich und schau, ob dir das neue Bewegungsfreiheit bringt. Viel Freude damit!