Die Schrittformel im "Café des Lebens"

Wie soll ich das jemals erreichen?

Eine Frage, die wir uns im Café des Lebens immer mal wieder stellen. Egal ob vor oder hinter dem Tresen: Wenn wir uns auf das Ende einer Sache konzentrieren, scheint die Erfüllung immer in weiter Ferne zu liegen. Deshalb geben viele Menschen auf, wenn Hindernisse auftauchen oder der Weg beschwerlich wird. 

Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt –

diesen Spruch kennt wahrscheinlich jeder. Das stimmt auch, doch genauso wichtig sind der zweite, der dritte und alle weiteren Schritte. Nur so kommen wir voran und erreichen das Ziel in der Ferne. Wir müssen den Weg dorthin in kleine Etappen aufteilen, so dass wir die Etappenziele mit Sicherheit erreichen können und die Freude mit uns ist. Jeder Schritt sollte gut vorbereitet sein, damit wir ihn mit einem Gefühl der Sicherheit gehen können und weiterkommen. 

Im Café des Lebens ist das sehr hilfreich,

gerade in turbulenten Zeiten. Denkt nur mal an ein voll besetztes Kaffeehaus. Wie schnell geraten wir da in Hektik, weil wir nur noch das Ziel in der Ferne sehen, die notwendigen Schritte aber nicht tun wollen. Jeder Gast will zufrieden sein, der Barista möchte, dass seine Kaffeespezialitäten schnell ausgegeben werden, der Chef denkt ans Geldverdienen und die Servicekraft dreht sich im Kreis. Erfahrene Servicekräfte jedoch halten inne in dieser Situation. In Ruhe und Kraft bereiten sie jeden Schritt vor, dann gehen sie mit Bedacht Schritt für Schritt weiter. Die Sicherheit, die sie dadurch gewinnen, bewegt sie kraftvoll durch den Tag und das Café des Lebens. Das spürt man, Zufriedenheit kehrt ein. Denn selbst in der größten Hektik rückt so das Ziel in weiter Ferne näher, ist der weiteste Weg zu schaffen. Friedrich Rückert formulierte es so:

„Am Ende sieht’s ein Tor, ein Klügrer in der Mitte, und nur der Weise sieht das Ziel beim ersten Schritte.“ 

Es sagt sich so leicht, und wir alle wissen es auch eigentlich, dass man in kleinen Schritten oft schneller vorankommt als in großen. Doch warum vergessen wir diese Weisheit so oft auf unserem Weg im Café des Lebens? Es ist die Ungeduld, die uns treibt. Wir wollen den Erfolg sofort spüren. Dabei ist es oft leichter, eine Aufgabe in kleine Schritte einzuteilen, diese zu bewältigen und jeden einzelnen Schritt als Erfolg zu sehen. Für jeden dieser Schritte darf man sich auch feiern, das ist erfüllender als nur eine große Feier am Ende. Somit müssen wir also gar nicht warten, bis wir das Endziel erreichen, das Große beginnt vielmehr im Kleinen. 

Bei jedem Prozess,

und sei er noch so klein, ist es übrigens wichtig, keinen Schritt auszulassen. Wenn wir lohnenswerte Ziele erreichen wollen, müssen wir uns bemühen, müssen Anstrengungen auf uns nehmen und Opfer bringen, müssen durchhalten und uns unseren Ängsten und Zweifeln stellen – das ist der Weg vom Glauben an das Projekt, hin zum Vertrauen in die Sache. Mit jedem Schritt füllt sich dabei unser Erfahrungsschatz und wächst unsere Sicherheit. Unser Erfahrungsschatz wird somit zur Kraftreserve und jede neue Herausforderung birgt Entwicklungspotenzial: Waren wir entmutigt, wächst jetzt der Mut; war eine Erfahrung unangenehm, lernen wir daraus jetzt etwas Angenehmes; war vorher Frust angesagt, kann jetzt Lust entstehen. Mit jedem Schritt finden wir heraus, wer wir selbst sind. Durch viele kleine Schritte erkennen wir uns und unsere Wege besser. Das hilft uns in Zeiten, in denen wir Orientierung suchen. 

Geh einfach in die Richtung, die dich anzieht, begeistert, inspiriert! Finde Ziele, die dich innerlich berühren. Natürlich ist dabei auch die Frage gestattet, ob es alle Mühe und Anstrengung überhaupt wert ist. Durch die kleinen Schritte wirst du die Antwort bald erkennen. 

Fortschritt passiert in kleinen Stücken.

Das Schöne dabei ist, dass die Fülle im Leben immer weiter aufgefüllt werden kann. Konzentriere ich mich darauf, dies in kleinen Schritten zu tun, werde ich immer mehr das Gefühl haben, in Fülle zu leben. Die Leere wird dabei verkleinert, denn sie wird ja in kleinen Schritten durch Fülle ersetzt. Dieser Prozess fördert meine Ausdauer. 

Geduld und Ausdauer sind das Tor zu einem erfüllten Leben. Der Schatz liegt nicht am Ende des Weges, sondern der Weg dorthin birgt seinen Reichtum in sich selbst. Wenn ich diese Formel im Café des Lebens verinnerliche, lebe ich ein wertvolles Leben. Sobald ich ein Zwischenziel erreicht habe, weiß ich, dass weitere Ziele auf mich warten. Dank meiner Erfahrung der kleinen Schritte wirkt es dann nicht mehr so unmöglich, etwas in der Ferne zu erreichen. Es gibt mir einen Sinn im Leben, voranzukommen und mit jedem Schritt ein Stück mehr Fülle zu leben. Würde ich einen Schritt auslassen, so würde ich auch einen Teil der Fülle verlieren. Das Ziel erreiche ich also in jedem Fall, die Frage ist nur: wie? Fehlt mir etwas oder komme ich erfüllt am Ziel an? Durch ständiges Hinschauen und Korrigieren gelingt es mir, den Fokus auf jeden einzelnen Schritt zu lenken und meinen Frieden zu finden mit dem Weg. Zufriedenheit ist am schönsten, wenn ich sie bei jedem Schritt spüre, nicht erst am Ende des Weges.

Tipp: Gibt es ein großes Ziel in der Ferne, das für dich so mächtig erscheint, dass du es in kleine Teilabschnitte unterteilen möchtest? Eine gute Übung, den Weg der kleinen Schritte zu entdecken, ist das Training mit einer Zielscheibe. Beginne damit, aus einer Entfernung von vier Metern die Mitte der Zielscheibe zu treffen. Womöglich ist das schwierig. Gehe jetzt ganz nah an die Zielscheibe heran, circa einen Meter, und ziele von hier aus auf die Mitte. Dann gehe Schritt für Schritt weiter weg und gewinne Sicherheit, indem du diese Übung so lange wiederholst, bis du bei vier Metern ankommst. Ich bin mir sicher, es ist eine wertvolle Erfahrung.