Die Vorstellungsformel im "Café des Lebens"

Das erwarte ich von dir!

Wie oft sagen wir das zu unserem Gegenüber im Café des Lebens? Und was genau sind eigentlich Erwartungen? Bei Wikipedia ist Folgendes zu lesen: „Erwartung ist ein Zustand des Wartens, eine vorausschauende Vermutung oder Hoffnung.“ 

Meist sind wir von Erwartungen mehr erfüllt als von Erfahrungen.

Unterschwellig wirken sie in uns und prägen unsere Welt. Ganz oft sind sie dabei so mächtig, dass sie sich sogar bis ins Äußere manifestieren. Daher sicher auch die Bezeichnung Vorstellungskraft. In den eigenen Gedanken stellt man sich etwas vor, oft wird dies „vor“ die Wirklichkeit „gestellt“. Damit unsere Offenheit eher „verschlossen“ und die Wirklichkeit kann nicht mehr „wirken“. Vor Jahren habe ich dazu einen für mich passenden Vergleich gefunden: Obwohl zwei Personen den gleichen Kuchen bestellt haben, kann es vorkommen, dass nur einer mit der Lieferung zufrieden ist. Schwebt mir bei dem Wort Kuchen eine Sahneschnitte vor und diese wird auch geliefert, so sind meine Erwartungen erfüllt. Denke ich bei Kuchen dagegen an einen Blechkuchen, sind meine Erwartungen nicht erfüllt, im Gegenteil, ich bin enttäuscht. Dieses Beispiel zeigt, wie stark innere Überzeugungen unsere Realität prägen, wie unsere Sichtweise, unser Blickwinkel sich auf unsere Zufriedenheit auswirkt. Konrad Adenauer hat es so zum Ausdruck gebracht:

Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. 

Wie oft treten wir den Menschen im Café des Lebens mit einer ganz bestimmten Erwartungshaltung entgegen, zum Beispiel der Servicekraft, die stets freundlich zu sein hat? Wehe, sie ist auch nur einmal in Gedanken versunken und hat dabei einen unschönen Blick! Wie schnell erntet dieser Blick unser Missfallen. Erwartungen sind wie Filter, die unsere Überzeugungen formen und Entscheidungen beeinflussen – oft so stark, dass sie sich auf unseren Blickwinkel und unsere Vorgehensweise massiv auswirken. Bei Freunden fällt es uns sehr leicht, unseren Blickwinkel in der Fülle zu halten, ein unschöner Blick ist da nur halb so schlimm. Fremden oder der Servicekraft dagegen wird er nicht ganz so schnell verziehen, zuweilen sind wir sogar ernsthaft enttäuscht. Einmal schief betrachtet, ist es ganz schwierig, den Blickwinkel wieder zu verändern. Selbst wenn wir wissen, dass wir uns in unserem Urteil getäuscht haben – dann noch eine Veränderung zu bewirken, ist zwar leicht gesagt, aber recht schwer umzusetzen. 

Durch das Veröffentlichen von Erwartungshaltungen

– ob günstig oder ungünstig – werden diese im Bewusstsein bearbeitet. Gerade bei ungünstigen Erwartungshaltungen ist es gut, sie zu benennen, zu entlarven und in die Veränderung zu bringen. Oft sind die ungünstigen Erwartungen allerdings so machtvoll, dass sie gründlich bearbeitet werden müssen. Manchmal versuchen wir im Café des Lebens, eine ungünstige Erwartung zu korrigieren, indem wir uns einfach vorstellen, alles sei doch eigentlich gar nicht so dramatisch. Diese Vorstellung allein verändert jedoch leider nicht unsere Einstellung. Um das zu erreichen, müssen wir zuerst die ungünstige Haltung aufgeben – und zwar nicht nur ein wenig, sondern restlos. Solange sie nicht komplett entleert wird, werden Zweifel und ungünstige Gedanken nämlich immer wieder in uns hochkommen. Erst wenn wir Platz für den nächsten Schritt geschaffen haben, sind wir bereit für Veränderung. Dann können wir den frei geworden Platz im nächsten Schritt mit günstigeren Vorstellungen anfüllen. Die erwünschten Veränderungen können wir uns dabei wie ein Mantra immer wieder vorstellen oder auch vorsagen. Das erfüllt uns mit einer günstigen Einstellung und unsere Erwartungshaltung passt sich entsprechend an. 

Als Erfinder des Cafés des Lebens haben wir schon oft beobachtet, dass Unmögliches nur so lange unmöglich bleibt, bis es jemand möglich macht. Da uns unsere Erwartungen als Gedankenfilter und -gitter Grenzen setzen, ist es demnach sehr hilfreich, uns unsere Annahmen und Überzeugungen einmal genauer anzuschauen. Denn Glaube versetzt bekanntlich Berge. 

Glaube an das Gute und es wird folgen!

Finde heraus, was für deine Situation günstig, was eher ungünstig ist, lass dann das Ungünstige ziehen und das Günstige einziehen! Denn was das Gelingen deines Cafés des Lebens begünstigt, was dein Café des Lebens wertvoll macht, wirkt wie ein Magnet auf weitere günstige Situationen und Erfahrungen. Dabei greift eine Art energetisches Gesetz: Energieströme fließen von Natur aus Richtung Ozean, um ihn zu speisen. Wenn wir sie jedoch blockieren oder umlenken, werden sie den Ozean nicht erreichen. Oft hören wir im Café des Lebens von Problemen, Ängsten und Schwierigkeiten. Als Erfinder in deinem Café des Lebens solltest du dich mit der Kunst der Verwandlung vertraut machen, um Zweifel in Zuversicht und Angst in Mut zu verwandeln. Denn so erwachsen auch hier aus neuen Erwartungen neue Wege. 

Warte nicht, bis deine Erfahrungen dir deine Entscheidungen bestätigen. Schaffe vielmehr deine Vision eines Cafés des Lebens. Sei der, der du sein möchtest, steuer dein Café des Lebens an. 

Mein Tipp: Male ein Bild von der bestmöglichen Version deines Cafés des Lebens. Male es groß und bunt, achte auf die Details und lass es mit Freude entstehen. Es muss gar nicht fertig werden, sondern kann immer wieder wachsen. Platziere es so, dass du gut hinschauen kannst und immer wieder einen Impuls zur Entwicklung deines Potenzials bekommst. Visualisieren ist sehr kraftvoll, das Bild ist ein Weg dahin.