Die Zeitformel im "Café des Lebens"

„Einen Augenblick bitte.“

Doch wer hat den schon? Im Grunde jeder, aber bewusst sind wir uns dessen meist nicht. Vielmehr sind wir verhaftet mit der Vergangenheit oder der Zukunft. Wenn uns dann jemand nach dem Augenblick fragt, springt oft ein inneres Programm an, das unverzüglich meldet: „Das dauert jetzt ewig!“, das sofort einwendet:

„Ich habe keine Zeit!“.

Doch einen Augenblick einfach zu verschenken, sich und seinem Gegenüber in der Gegenwart zu begegnen, ist eine Herausforderung. Von Ina Deter haben wir gelernt:

Vergangenheit ist Geschichte, Zukunft ist Geheimnis und jeder Augenblick ein Geschenk.

Das hört sich an, als befände sich der Mensch in seinem Café des Lebens auf einer ständigen Zeitreise, einer Reise zwischen Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Meistens ist er jedoch mit der Zeit beschäftigt, die entweder schon vergangen ist oder noch vor ihm liegt. 

Dabei ist doch alles, was wir wirklich haben, der Moment, dieser Augenblick in der Gegenwart.

Wie oft sind wir uns dieses Geschenkes gar nicht bewusst, nicht mit unserer Aufmerksamkeit präsent in diesem Moment, nicht offen dafür, uns anzuschauen, wie erfüllend – oder auch wie wenig erfüllend – der Moment sein kann. Stattdessen hängen wir der Vergangenheit nach oder träumen von der Zukunft. Dabei ist Zeit eine Momentaufnahme. Vergangenheit und Zukunft existieren jetzt in diesem Augenblick nur deshalb, weil wir sie aus den Bildern in unserem Kopfkino erschaffen. Damit ist Zeit etwas Abstraktes, eine Art Konzept, mit dem wir uns unsere Welt erklären. Gleichzeitig ist sie etwas sehr Individuelles, obwohl wir doch alle eventuell auf die gleiche Uhr schauen. 

Wenn wir unsere Aufmerksamkeit trainieren und üben, sie auf den gegenwärtigen Moment zu lenken, gewinnen wir eine neue Sichtweise und die großartige Möglichkeit, den Moment wertvoll zu füllen. Wir können wählen, was wir aus diesem Moment im Café des Lebens mitnehmen möchten. Je mehr wir den Moment zu schätzen lernen, desto mehr haben wir auch die Chance, Sorgen, Kummer und Chaos aus unserem Denken auszuschließen. 

Meist haben Herausforderungen mit der Vergangenheit oder der Zukunft zu tun. Wir lenken unsere Probleme in unserem Inneren, indem wir ihnen Aufmerksamkeit und Energie schenken oder ihnen einen Platz am Stammtisch im Café des Lebens gewähren. Man könnte sagen, wir laden unsere Probleme zum Kaffeetrinken und Verweilen ein. Fragen wir uns doch mal, ob sich das lohnt, ob wir nicht lieber jetzt diesen Moment mit erfüllenden Gedanken verbringen sollten, statt in der Leere von Vergangenheit oder Zukunft abzutauchen. Vergangenheit und Zukunft seien nur eine schlechte Angewohnheit unseres Denkens, lese ich häufig. Was hilft uns hier weiter? Unser Bewusstsein auf unser augenblickliches Tun zu lenken und das Geschenk der Gegenwart anzunehmen.

Die Gegenwart zu deinem Lieblingsplatz machen.

Die Gegenwart ist eine Kaffeeküche, die unseren Geist aufbereitet, uns von allen schweren Gedanken befreit und uns mit neuer Lebensweisheit den Weg ebnet. Wir bewerten die Vergangenheit und Zukunft aus der Gegenwart heraus. Die Zutaten unseres Lebens aus dem Moment heraus bewusst als Geschenk zu sehen, erfüllt uns. Uns mit der Vergangenheit oder Zukunft zu beschäftigen, bringt uns dagegen oft nur den Vergleich. Der Vergleich aber ist der Weg zur Leere oder, wie schon einmal formuliert: in die Hölle.

In der Gegenwart zu leben, hilft dir, der Mensch zu werden, der du bist – in jedem Moment und zu jeder Zeit in deinem Café des Lebens. Der Weg dahin ist reine Übungssache. Heiße jeden Moment willkommen, gehe Schritt für Schritt und erledige das, was gerade vor dir liegt. Besonders wenn man viele Gedanken über das eigene Leben im Kopf hat, hilft die Erkenntnis: Wir existieren immer nur im Hier und Jetzt. Der Tag, die Sorge – dieser alte Spruch ist dabei ein guter Wegweiser. Hast du es eilig, dann ruhe in der Gegenwart. Wenn dir jemand einen Augenblick schenkt oder dich um einen Augenblick bittet, ist das eine gute Gelegenheit, innezuhalten, das Geschenk wertzuschätzen und sich mit diesem Moment und der Fülle zu verbinden. Zur verpassten Gelegenheit wird sie, wenn du dich über den Augenblick ärgerst und in die Leere fällst. 

Jeder Moment in deinem Leben ist einzigartig und du entscheidest,

wie wertvoll er für dich ist. Die Wirkung wird sich wellenartig übertragen – auf dein Gegenüber, deine Umgebung, deine Welt. Der Zugang zu dem Moment reist immer mit dir und heißt Jetzt. Natürlich brauchen wir in diesem Bereich viel Übung. Aber darüber nachzudenken, ist bereits der erste Schritt in die richtige Richtung. 

Tipp: Gerade wenn es mal wieder hektisch wird im Café des Lebens, erinnere dich an den Augenblick, an das Geschenk der Gegenwart, an die Formel der Zeit. Eine kurze Meditation hilft dir dabei, zum Bewusstsein zu finden. Lass alles stehen und liegen. Halte inne und schließe die Augen. Konzentriere dich auf den Atem – er ist das pure Zeichen der Gegenwart. Spüre dem Atem nach und mache fünf Atemzüge. Öffne deine Augen und freue dich über das Geschenk dieses Augenblicks. Wenn du regelmäßig meditierst, wird diese kurze Form dich noch schneller zum Ergebnis führen. Reine Übungssache! Mehr Ideen findest du auf meiner Seite.