Die Glaubensformel im "Café des Lebens"

Glaube alles und nichts!

Diesen spannenden Ansatz hat mir ein Gast im Café des Lebens zugerufen. Gerade in der heutigen Zeit hören wir täglich unzählige Fake News. Wie herausfordernd ist es da geworden, zutreffende und unzutreffende, wertvolle und wertlose, günstige und ungünstige Informationen zu unterscheiden. Oft haben wir ein Überangebot an Informationen und wissen nicht mehr, wie wir die Vielzahl von Neuigkeiten in den Medien verfolgen sollen. Was lohnt die Mühe, was sollten wir uns ansehen? Ist das wahr, können wir das glauben? Es macht unser Leben komplexer, wenn wir uns hier ständig hinterfragen sollen. Und was ist überhaupt Glauben? 

Laut Wikipedia bezeichnet Glaube „eine Grundhaltung des Vertrauens, vor allem im Kontext religiöser Überzeugungen“, „das Überzeugtsein von der Lehre einer Philosophie“. Womit wir auch gleich vor der nächsten Herausforderung stehen:

Wem oder was können wir vertrauen?

Im Café des Lebens empfiehlt es sich, all dem unser Vertrauen zu schenken, das wir für wahrhaftig erachten, unserer Schöpfung zum Beispiel und der Natur. Damit wären Liebe und unsere innere Stimme wichtige Aspekte des Glaubens. Glauben basiert auf Vertrauen. Wir alle wissen aus eigener Erfahrung, dass es auch Menschen gibt, die nicht wahrhaftig sind. Entsprechend bedeutet Glaube nicht, blind zu sein, alles zu glauben, allem und jedem zu folgen. Im Café des Lebens würde ich vielmehr sagen: Glaube alles und nichts! 

Eine alte Barista-Regel sagt: Lass dir gerne einen Kaffee servieren und prüfe dann selbst, ob er heiß genug ist und dir schmeckt. Glaubst du daran, dass es etwas Universelles gibt im Leben, einen höheren Sinn, der es gut mit dir meint? Hast du das Selbstvertrauen, diesem zu folgen? Wenn du für dich erkennst, dass du deinem Leben Glauben schenken kannst, ist das eine wertvolle Erfahrung. Vertraue in den Prozess und somit in dein Leben. Natürlich wird das zu einer großen Herausforderung, wenn du von einem Unglück oder Schicksalsschlag heimgesucht wirst. Doch genau darum geht es doch so oft im Café des Lebens: gerade dann den Glauben zu behalten und nicht zu verlieren. 

Den Glauben zu kultivieren, für sich selbst zu gestalten, ist eine schöne Lerneinheit im Leben. Sie setzt ein großes Vertrauen in den Prozess voraus, die Überzeugung, dass es hier um unser Leben geht und dass es gut wird. Schwierigkeiten und Herausforderungen schenken uns Erkenntnisse, lassen uns Chancen entdecken. Die große Kunst besteht immer darin, in diesem vertrauensvollen Zustand zu bleiben und den Glauben daran, dass es gut ist, nicht zu verlieren. Um auf die Barista-Regel zurückzukommen: Wenn uns einmal ein kalter Kaffee serviert wurde, bedeutet das nicht, dass der nächste auch kalt sein wird. Diese Offenheit wollen wir uns bewahren und damit dem Glauben die Möglichkeit geben, sich weiter zu entwickeln. Eine große Kunst, deren Wert Max Planck wunderbar ausgedrückt hat:

Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln. 

Oft sperrt unser Verstand den Glauben in einen Käfig, und manchmal vernebelt uns der Glaube den Verstand. Im Café des Lebens ist es eine gehobene Trainingseinheit, beide in eine gute Balance zu bringen. Verstand und Glaube sind Geschwister, dessen sollten wir uns bewusst werden. Unser Trainingsleitsatz sollte lauten: Es ist, wie es ist. Vertrauen wir. Dazu brauchen wir natürlich eine große Portion Selbstvertrauen. Wenn wir unsere innere Stimme trainieren, eine wohlwollende Weltanschauung kultivieren und das Leben lieben, wird das Vertrauen in den Prozess mit jeder Erfahrung bestätigt: Es ist, wie es ist. Das Leben ist Teil von einem Prozess, wir selbst sind ein Teil davon. So macht nicht die Kaffeemaschine allein im Café des Lebens den Kaffee. Vielmehr ist es der ganze Prozess, der aus einem Kaffee eine Kaffeespezialität macht – wenn es fließt. Das Vertrauen, dass diese Kaffeespezialität für uns das beste Café-Erlebnis wird, gibt uns immer die Chance, das notwendige Selbstvertrauen zu haben oder zu entwickeln. Ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass wir weder unfehlbar sind noch alles nach Wunsch läuft, die Bereitschaft, dennoch den Glauben nicht zu verlieren, sondern das Vertrauen in den Fluss des Lebens zu behalten, das ist die Kunst. 

Glaube versetzt Berge?

Die Natur kann für dieses Sprichwort ein gutes Beispiel liefern. Ein großer starker Baum etwa folgt seiner Mission. Unabhängig von Wetter oder Widrigkeiten bleibt er in seiner Schönheit und lässt es fließen. Dein Glaube an dich selbst bringt eine hohe Selbstwirksamkeit und damit das Gelingen in dein Leben. Vertraue dir selbst, glaube an deinen Lebensfluss. Du bist es wert. Bewusst wertvoll Leben. Holistisch betrachtet ist dein Glaube die Brücke zum Universum, dein Café des Lebens ein Teil des Ganzen. 

Tipp: Im Qi Gong habe ich eine gute Übung dazu kennen gelernt, die Baumübung. Nimm einen stabilen Stand ein, die Füße stehen hüftbreit. Atme bewusst. Hebe deine Arme und visualisiere einen Baum. Deine ausgestreckten Arme Richtung Himmel stellen die Baumkrone dar. Dein Kopf ist erhoben, dein Blick geht Richtung Himmel. Wenn du stabil stehst, schließe die Augen und spüre der Kraft des Baumes nach. Stelle dir ein bis zwei Minuten lang die Schönheit und Stärke des Baumes vor, den Fluss aus den Wurzeln in die Krone, sowie den Eintritt der Sonnenenergie über die Blätter. Eine schöne Übung, die dir besonders dann Kraft spendet, wenn du mal deinen Glauben in die Welt und in das Gute verloren hast. Lerne von der Kraft der Natur.