Die Handlungsformel im "Café des Lebens"

Ja, ja, das weiß ich doch!

Wie oft hören wir diese Aussage, ohne das entsprechende Handeln zu sehen? Die folgende Formel motiviert uns, im Café des Lebens ins Handeln zu kommen: Nur was wir tun können, kennen wir wirklich. Handeln verwandelt Wissen in Weisheit, Handeln sorgt für Wandel. Wer nicht ins Handeln kommt, wird gehandelt. Hilft uns diese Formel also, mitten im Leben zu stehen, statt nur Zuschauer zu sein? Im Café des Lebens unseren Platz selbst zu wählen, statt nur platziert zu werden? 

Neunzig Prozent eines Lernerfolges sind ein Resultat des eigenen Tuns.

In der Waldorf-Pädagogik ist Lernen schon seit jeher mit Kopf, Herz und Hand verbunden. Handeln füllt unser Leben, sorgt also für ein erfülltes Leben. Auch von Goethe wissen wir:

Es ist nicht genug, zu wissen, man muss es auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun.

Auch im Café des Lebens kommen wir also mit guten Vorsätzen alleine nicht weit. Um von der Torte des Lebens essen zu können, brauchen wir Zutaten, es beginnt also mit dem Samen, den wir in die Erde legen müssen, um Mehl zu haben. Nur von der Sahnetorte zu träumen, bringt diese noch nicht auf den Tisch. Auch wenn wir alle Rezepte dieser Welt kennen, kann es sein, dass es uns nicht gelingt, eine Sahnetorte zu kreieren. Auch Talent allein wird die Torte nicht erzeugen. Nur das Handeln lässt die Torte letztlich entstehen. Auch Weisheit erwächst nur aus dem Handeln, aus der Praxis. 

In die Praxis überzugehen, ist jedoch gerade die Herausforderung.

Wie oft halten uns Zweifel und Trägheit im Geist gefangen. Denn Handeln bedeutet, im Café des Lebens auch Risiken einzugehen. Auch Gemütlichkeit ist verlockend im Café des Lebens. Warum nicht einfach entspannt bleiben und das Handeln auf später verschieben oder gar jemand anderem überlassen? Dabei ist die beste Formel für den Erfolg, um Goethes Zitat auf den Punkt zu bringen: TUN. 

Natürlich handeln wir alle, schon am Morgen aufzustehen ist ja eine Handlung. Hier können wir jedoch schon feststellen, dass viele von uns einfach nur reagieren. Der Wecker klingelt und wir reagieren. Ist es das, was wir wollen? Entscheiden wir uns für ein günstiges Handeln in die Fülle oder für die ungünstige Variante in die Leere? Für ein Hallo Leben, da bin ich! oder für ein Ich muss aufstehen? Schon der Start kann den entscheidenden Unterschied ausmachen. Eigenes Tun macht stärker. Was uns Energie abverlangt, Kraft kostet, das stärkt uns. Sind wir bereit, die Kraft aufzuwenden? Diesen Preis zu zahlen? Mit Bewusstsein, Mut und guten Energien wird es uns gelingen, in der Fülle zu bleiben. 

Oft sind es aber die genannten Zweifel, Ängste und Reaktionen, die uns festhalten und im Wartesaal des Lebens Platz nehmen lassen. Wenn wir jedoch warten, bis wir uns sicher fühlen, bis wir die Inspiration und Motivation zum Handeln in uns spüren, kann es ein langer Aufenthalt im Wartesaal des Lebens werden. Zumal dort ja noch weitere Ängste, Zweifel und Ungewissheiten sitzen. 

Nun stellt sich die Frage, wie wir damit umgehen.

Interessant ist die Feststellung, dass wir nur im Angesicht der Angst Mut zeigen können. Mut füllt unser Leben und kostet gleichzeitig Energie. Doch er wird die Energiespeicher in aller Regel nicht leeren, oft ist es vielmehr nur ein kleiner Schritt, nichts Dramatisches, der uns dann aber in die Fülle bringt. Schon Gefühle zu veröffentlichen, alte Gewohnheiten zu überwinden oder einfach mal anders voranzugehen, erfordert Mut, der uns dann raus aus dem Wartesaal führt, hinein ins Café des Lebens. Heldenmut ist eine Sache, doch was wir uns hier ansehen, ist der Alltagsmut. Dabei sollten wir auch die Augen offen halten und nicht nur handeln um des Handelns willen. Mut ist eine Energie, die uns voranbringt. Mit ihr zu arbeiten, zeigt uns auch, dass wir auch übermütig werden können. Bewusstes Beobachten ist als Basis für das Handeln eine besonders wichtige Zutat. Denn alles hat seine Zeit: das Handeln und die Tatenlosigkeit. Manchmal ist es am mutigsten, geduldig zu sein. 

Im Café des Lebens ist es sehr wichtig, sich selbst gut zu er-kennen,

um mit den andern gut zu können. Handeln ist Aktion, Mut der Treibstoff. Im Café des Lebens kommt es tagtäglich darauf an, ob mein Handeln günstig oder ungünstig ist. Trage ich mit meinem Handeln dazu bei, mein Leben zu erfüllen oder bewege ich mich durch mein Tun in die Leere? Entschlossenes, wertvolles Handeln braucht Bewusstsein für die Situationen des Alltags. Das Schöne im Café des Lebens ist dabei: Mit jeder Tat werde ich mir meiner selbst bewusster, womit ich mich selbst jeden Tag mit mehr Weisheit fülle und meine Gefühle, meinen Geist und nicht zuletzt mein Herz als Navigationssystem einrichte, das mir hilft, nicht irgendein Café, sondern mein erfülltes Café des Lebens zu finden.

Mein Tipp: Learning by doing. Schreib dir einfach mal auf, was du schon immer tun wolltest. Nun such dir einen Punkt aus, den du umsetzen möchtest. Tue das. Dann setz dich hin und schau dir an, wie du dich fühlst, was dich weitergebracht hat. Geh über zum nächsten Punkt auf deiner Liste und nutze das Gelernte, um weiter im Tun zu bleiben. Trau dich.