Die Wahrhaftigkeitsformel im "Café des Lebens"

Der ist nicht vorne wie hinten!

So heißt es ab und an im Café des Lebens, wenn Menschen nicht ihre innere Wahrheit leben und so wirken, als hätten sie eine Maske auf. Wahrscheinlich gibt es eine Million Gründe, sich eine Maske aufzusetzen, einen davon drückte Mark Twain so aus:

Jeder ist ein Mond und hat eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob ich selbst diese dunkle Seite an mir kenne und ihr Anerkennung schenke. Die Formel für Authentizität unterstützt das Übereinkommen von innen und außen, von vorne und hinten, und ich nutze sie um meiner selbst willen. Warum aber ist sie für das Café des Lebens so günstig?

Ich vergleiche das gerne mit einer Servicekraft, die optisch perfekt aussieht, eine adrette Uniform trägt und eine professionelle Ausstrahlung hat. Ihr erster Satz ist allerdings ein spitzes Bitteschön! Das Gesicht bekommt plötzlich etwas Unschönes, Forderndes. All das wird noch verstärkt durch das folgende Sonst noch was? Auf meine freudige Erwartung eines guten Service legt sich ein Schatten, denn das Außen scheint mit dem Innen hier nicht verbunden zu sein, so zumindest meine Vermutung. Mein Gefühl und mein Eindruck wirken auf das Selbst, das Gegenüber und in die Welt hinaus. Sie bezweifeln, ob hier ein authentischer Service vorhanden ist. Will diese Servicekraft wahrhaftig be-dienen? Oder gibt es eine dunkle Seite in ihr, die lieber etwas anderes leben möchte? Im Moment jedenfalls scheinen innen und außen nicht wahrhaftig zusammenzupassen. 

Unsere Wahrnehmung täuscht sich meist nicht.

Sie erkennt, wenn das Innere von einer Maske verborgen ist. Doch was genau ist überhaupt das Innere? Es ist das Verhalten, das ich an den Tag lege, wenn ich mit mir alleine bin oder mich unbeobachtet fühle. Es geht also um meine eigene Wirklichkeit, um die Frage: Bin ich mir gegenüber integer? 

Oft werde ich durch die Konventionen der Gesellschaft ausgebremst. Wenn ich zu mir stehe, fühlt es sich dann ab und zu so an, als würde ich gegen den Strom schwimmen. Zu viele Konventionen um mich herum geben mir eine Bahn vor. Zu mir zu stehen, also meine Integrität zu wahren, bedeutet jedoch nicht, illegal oder unmoralisch zu handeln. Meine Intelligenz hilft mir, den Unterschied zu erkennen: Vielmehr ist meine Wahrhaftigkeit wie ein Service an mir selbst, an der Gesellschaft und an der Welt. Mein bestes Ich zu zeigen, Demut zu leben, zu geben und zu dienen – diese Haltungen sind mit Service eng verbunden. Fällt mir das leicht, fühle ich mich wohl damit, innen wie außen? Oder werde ich zum Schauspieler auf der Bühne des Lebens? Bin ich bereit, einen wahrhaft guten Service zu bieten? Oder spüre ich im Inneren blinde Rebellion? Lebe ich womöglich kritiklose Anpassung? All diese Fragen lassen mich eine Maske überstülpen, um von Unzufriedenheit, Neid, Habgier und Manipulation abzulenken. 

Die Tarnung ist so gut, dass wir diese Kehrseite unserer Maske oft selbst nicht bemerken, wie die dunkle Seite des Mondes sehen wir ihn nicht, den inneren Part der Maske. Denn nach außen strahlt sie natürlich etwas ganz anderes aus. Eine Zeit lang lebt es sich damit auch durchaus gut, doch irgendwann beginnt die Unzufriedenheit. Wir verlieren unseren inneren Frieden, denn wir spüren, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Es melden sich Sehnsüchte und der Wunsch nach Integrität, nach Wahrhaftigkeit. Dieser Vorgang ist sehr subtil, bedeutet aber einen hohen Energieaufwand. Denn es ist genauso, als hätten wir im Café des Lebens immer die Tür geöffnet, auch im Winter, und als müssten wir mehr und mehr heizen, um eine behagliche Stimmung in der Gaststube aufrechtzuerhalten.

Nehmen wir uns einfach mal die Natur zum Vorbild:

Ein Winter ist ein Winter und ein Sommer ein Sommer. Auch wenn es im Winter Sommertage und im Sommer Wintertage gibt, so ist es doch immer die wahre Natur, die wir spüren und wahrnehmen. Die Formel für Wahrhaftigkeit hört sich entsprechend leicht an, ist aber oft eine große Herausforderung: Sei einfach du selbst. 

Doch wer bin ich selbst? Denken wir zurück an die Inschrift über dem Tempel von Delphi: Erkenne dich selbst! Ich sollte wissen, wer ich bin – sowohl innen als auch außen. Denn Wahrhaftigkeit im Café des Lebens bedeutet, das Innen und Außen zu integrieren. Mich selbst zu kennen und ich selbst zu sein, damit sich alles wahrhaftig anfühlt. Das kann bedeuten, dass ich in meinem Café des Lebens auch mal sagen darf: Das ist mein Café des Lebens, ob es dir nun gefällt oder nicht.

Das Besondere an der Wahrhaftigkeit ist ihre Magnetwirkung:

Je mehr ich sie lebe, desto mehr wird sie in meinem Leben ankommen. Das schenkt meinem Leben ein hohes Maß an Leichtigkeit, da ich mich zeige und das beschwerliche Maskentragen wegfällt. 

Mein Tipp: Wie oft setzt du in deinem täglichen Miteinander eine Maske auf? Nimm dein Smartphone als Helfer und halte diese Momente unter Notizen fest. Gib der Maske einen Namen und beschreibe sie mit ein, zwei Worten, zum Beispiel so: Kompliment-Maske – wollte etwas Nettes sagen. Schau dir diese Masken an und verwandle sie, getreu dem Motto: Nettigkeiten sind selten wahr und Wahrheiten selten nett. In unserem Beispiel könnte das bedeuten, einer Person zu sagen, was wahrhaft gut an ihr ist. Je mehr Masken du dir anschaust, umso klarer kannst du entscheiden, welche davon du ablegen möchtest, um mehr von dir zu zeigen. Du bist gut so wie du bist.